Wirkungen und Sicherheit perikonzeptioneller oraler Folatsupplementierung zur Vorbeugung von Geburtsfehlern

Der Cochrane-Review berichtet insgesamt weniger Neuralrohrdefekte unter Folsäure rund um die Empfängnis. Für andere Fehlbildungen und alternative Folatformen bleiben Fragen offen.

Welche Frage wurde untersucht?

Der Review untersuchte die orale Folatsupplementierung vor der Konzeption und bis zur zwölften Schwangerschaftswoche. Eingeschlossen waren randomisierte oder quasi-randomisierte Studien mit Folsäure allein oder zusammen mit anderen Vitaminen und Mineralstoffen. Verglichen wurde mit keiner Folatgabe, Placebo oder Mikronährstoffen ohne Folat.

Wie wurde die Evidenz zusammengeführt?

Das Cochrane Pregnancy and Childbirth Trials Register und das WHO ICTRP wurden bis zum 31. August 2015 durchsucht. Organisationen wurden nach laufenden und unveröffentlichten Studien gefragt. Fünf Studien mit insgesamt 7391 Frauen wurden eingeschlossen; 2033 Frauen hatten bereits eine Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt erlebt, 5358 nicht.

Die Studien prüften unterschiedliche tägliche Folsäuremengen. Die fünf Studienfamilien und ihre maßgeblichen randomisierten Berichte sind in der Quellenliste enthalten.

Was zeigen die Ergebnisse?

Im Gesamtvergleich war das Risiko für Neuralrohrdefekte geringer: Risikoverhältnis (RR) 0,31, 95%-Konfidenzintervall 0,17–0,58. Diese Auswertung umfasste fünf Studien mit 6708 Geburten; die Evidenzsicherheit wurde als hoch bewertet.

Zur absoluten Einordnung nennt die Ergebnistabelle 13 Fälle je 1000 Geburten ohne Folat und 4 je 1000 mit Folat, mit einem Intervall von 2 bis 7. Das sind erwartete absolute Effekte aus einem angenommenen Ausgangsrisiko und dem relativen Effekt, keine unmittelbar gezählten Fälle der Studienarme.

Für erneute Neuralrohrdefekte betrug das RR 0,34 (95%-Konfidenzintervall 0,18–0,64; vier Studien, 1846 Geburten). Die einzelne Studie zum erstmaligen Auftreten lieferte dagegen einen unpräzisen Schätzer: RR 0,07, 95%-Konfidenzintervall 0,00–1,32. Dieses Intervall enthält den Nulleffekt bei RR 1; der Einzelvergleich weist somit keinen klaren Effekt auf das Erstauftreten nach.

Welche Fragen bleiben offen?

Für Fehlgeburten ergab sich kein klarer Unterschied (RR 1,10; 95%-Konfidenzintervall 0,94–1,28; moderate Evidenzsicherheit). Auch für andere angeborene Fehlbildungen war bei geringer Evidenzqualität kein klarer Effekt nachweisbar.

Nur eine Studie wurde insgesamt als niedrig verzerrungsgefährdet beurteilt; in anderen blieben Randomisierung oder verdeckte Zuteilung unklar. Keine Studie untersuchte neonatalen Tod, mütterliche Blutfolatwerte oder Anämie am Geburtstermin. Fehlende Untersuchungen belegen nicht das Ausbleiben eines Effekts.

Die Daten reichen außerdem nicht aus, um Sicherheit und Wirkungen anderer Einnahmeschemata oder alternativer Folatformen wie 5-MTHF verlässlich zu beurteilen.

Fazit

Der Gesamtvergleich spricht für weniger Neuralrohrdefekte unter perikonzeptioneller Folsäure. Die Aussagen zu erstmaligem Auftreten, anderen Fehlbildungen und alternativen Folatformen sind deutlich begrenzter. Die Darstellung der untersuchten Mengen und Zeiträume ersetzt keine individuelle Beratung.

Quellen

  1. De-Regil LM, Peña-Rosas JP, Fernández-Gaxiola AC, Rayco-Solon P. (2015). Effects and safety of periconceptional oral folate supplementation for preventing birth defects.. The Cochrane database of systematic reviews. DOI: 10.1002/14651858.cd007950.pub3. PMID: 26662928.
  2. Czeizel AE, Dudás I. (1992). Prevention of the first occurrence of neural-tube defects by periconceptional vitamin supplementation.. The New England journal of medicine. DOI: 10.1056/nejm199212243272602. PMID: 1307234.
  3. Central Technical Co-ordinating Unit, ICMRCentral Technical Co-ordinating Unit, ICMR.. (2000). Multicentric study of efficacy of periconceptional folic acid containing vitamin supplementation in prevention of open neural tube defects from India.. The Indian journal of medical research. PMID: 11247198.
  4. Kirke PN, Daly LE, Elwood JH. (1992). A randomised trial of low dose folic acid to prevent neural tube defects. The Irish Vitamin Study Group.. Archives of disease in childhood. DOI: 10.1136/adc.67.12.1442. PMID: 1489222.
  5. Laurence KM, James N, Miller MH, Tennant GB, Campbell H. (1981). Double-blind randomised controlled trial of folate treatment before conception to prevent recurrence of neural-tube defects.. British medical journal (Clinical research ed.). DOI: 10.1136/bmj.282.6275.1509. PMID: 6786536.
  6. MRC Vitamin Study Research Group (1991). Prevention of neural tube defects: results of the Medical Research Council Vitamin Study. MRC Vitamin Study Research Group.. Lancet (London, England). PMID: 1677062.