Folatkonzentrationen in roten Blutkörperchen auf Bevölkerungsebene zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten: ein bayessches Modell

Ein Modell verbindet höhere Folatwerte in roten Blutkörperchen mit einem geringeren Neuralrohrdefektrisiko. Es beschreibt Bevölkerungen, keine persönlichen Zielwerte.

Welche Frage wurde untersucht?

Crider und Kollegen modellierten den Zusammenhang zwischen mütterlichem Erythrozytenfolat – der Folatkonzentration in roten Blutkörperchen – beim Neuralrohrschluss und dem Risiko für Neuralrohrdefekte. Die Arbeit verwendet ein bayessches statistisches Modell; sie ist keine neue randomisierte Wirksamkeitsstudie.

Auf welchen Daten beruht das Modell?

Aus einem chinesischen Gemeindeinterventionsprojekt standen Daten zu 228456 Lebendgeburten und fetalen Todesfällen zur Verfügung. Hinzu kamen Daten von 323 nicht schwangeren und nicht stillenden Teilnehmerinnen eines chinesischen Folsäure-Dosisversuchs, für die Daten zur Folsäureeinnahme und Genotypinformationen vorlagen. Diese Zahl bezeichnet den ausgewerteten Teil des Dosisversuchs.

Im Gemeindeprojekt waren die Erythrozytenfolatwerte nicht direkt gemessen worden. Sie wurden aus Einnahmedauer, regionalen Ausgangswerten und geschätzter Genotypverteilung abgeleitet. Das Modell übertrug dabei Daten nicht schwangerer Frauen auf den 28. Tag nach der Konzeption.

Welche Ergebnisse wurden geschätzt?

Bei geschätzten 500 nmol/L Erythrozytenfolat ergab das Modell ein Risiko von 25,4 Neuralrohrdefekten je 10000 Geburten; das Unsicherheitsintervall lag bei 20,8 bis 31,2.

Einem niedrigeren Risiko von 6 Neuralrohrdefekten je 10000 Geburten ordnete das Modell eine Konzentration von 1180 nmol/L zu. Das Unsicherheitsintervall für diese Konzentration reichte von 1050 bis 1340 nmol/L. Die Autoren diskutieren etwa 1000–1300 nmol/L als möglichen optimalen Bereich für Programme auf Bevölkerungsebene.

Welche Grenzen gelten?

Gemessene Folatwerte und MTHFR-Genotypen fehlten im Gemeindeprojekt. Die Übertragung aus dem Dosisversuch und aus regionalen Literaturdaten erforderte deshalb Annahmen, die dort nicht direkt überprüft werden konnten. Auch mögliche Veränderungen in der frühen Schwangerschaft blieben ungeklärt.

Laut Autoren war unbekannt, welche Zufuhr eine bestimmte Person oder Bevölkerung in den diskutierten Konzentrationsbereich bringt. Die Modellwerte sind daher weder individuelle diagnostische Grenzwerte noch eine Grundlage für eine persönliche Dosierungsanweisung.

Fazit

Das Modell liefert eine populationsbezogene Beschreibung des Zusammenhangs zwischen Erythrozytenfolat und Neuralrohrdefektrisiko. Die geschätzten Werte können die Planung und Beobachtung von Bevölkerungsprogrammen unterstützen; ihre Aussage hängt jedoch von nicht direkt überprüften Annahmen ab.

Quellen

  1. Crider KS, Devine O, Hao L, Dowling NF, Li S, Molloy AM, Li Z, Zhu J, Berry RJ. (2014). Population red blood cell folate concentrations for prevention of neural tube defects: Bayesian model.. BMJ (Clinical research ed.). DOI: 10.1136/bmj.g4554. PMID: 25073783.