Wissenschaftliches Gutachten zur tolerierbaren oberen Aufnahmemenge für Folat

Die EFSA bewertet Obergrenzen für zugesetzte Folatformen. Für Erwachsene nennt sie zusammen 1000 µg pro Tag; natürliche Nahrungsfolate sind davon ausgenommen.

Grundlage der Bewertung

Im Auftrag der Europäischen Kommission aktualisierte die EFSA die tolerierbare obere Aufnahmemenge, kurz UL, anhand systematischer Literaturreviews. Im Mittelpunkt standen Nervenschäden bei Vitamin-B12-Mangel, nachlassende geistige Leistungsfähigkeit bei niedrigem Vitamin-B12-Status sowie Dickdarm-/Enddarmkrebs und Prostatakrebs. Vitamin B12 wird auch Cobalamin genannt.

Als kritischen Effekt für die Ableitung verwendet die EFSA das Risiko fortschreitender neurologischer Symptome bei Cobalaminmangel. Zugleich bewertet sie die Gewissheit eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen Folsäureaufnahme und der Verschlimmerung solcher Symptome als niedrig.

Für welche Folatformen die Obergrenzen gelten

Die Werte beziehen sich auf die kombinierte Zufuhr von Folsäure, (6S)-5-Methyltetrahydrofolsäure-Glucosaminsalz und L-5-Methyltetrahydrofolsäure-Calciumsalz. Die beiden letztgenannten Formen werden kurz als 5-MTHF-Salze bezeichnet.

Erfasst werden diese Formen aus angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln unter den zugelassenen Verwendungsbedingungen. Die Obergrenze gilt für ihre Summe, nicht einzeln für jede Form. Natürlich vorkommende Folate in Lebensmitteln sind nicht einbezogen. Ein UL ist keine empfohlene Einnahmemenge.

Altersgruppe oder LebensphaseUL für die erfassten zugesetzten Formen zusammen
4–6 Monate200 µg pro Tag
7–11 Monate200 µg pro Tag
1–3 Jahre200 µg pro Tag
4–6 Jahre300 µg pro Tag
7–10 Jahre400 µg pro Tag
11–14 Jahre600 µg pro Tag
15–17 Jahre800 µg pro Tag
Erwachsene1000 µg pro Tag
Schwangere1000 µg pro Tag
Stillende1000 µg pro Tag

Unsicherheiten und Grenzen

Für einen positiven ursächlichen Zusammenhang hoher Folatzufuhr mit Dickdarm-/Enddarmkrebs oder Prostatakrebs reicht die Evidenz laut EFSA nicht aus. Auch zum Zusammenhang mit beeinträchtigter geistiger Leistungsfähigkeit bei niedrigem Cobalaminstatus lässt sich keine Schlussfolgerung ziehen. Das belegt weder einen solchen Schaden noch dessen grundsätzlichen Ausschluss.

Zudem liegen nur wenige Daten darüber vor, wie viele folathaltige angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel europäische Bevölkerungen tatsächlich verzehren. Diese Lücke begrenzt die Einschätzung der Aufnahme.

Fazit

Die EFSA-Obergrenzen haben einen klar begrenzten Geltungsbereich: die Summe bestimmter zugesetzter Folatformen. Sie sind keine persönlichen Dosierungsziele. Weitere Einordnung bietet Vitamin B9: Warum Folat für Blut, Zellen und Schwangerschaft wichtig ist.

Quellen

  1. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA) (2023). Scientific opinion on the tolerable upper intake level for folate. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2023.8353. PMID: 37965303.