Wirkung einer dreijährigen Folsäuresupplementierung auf die kognitive Funktion älterer Erwachsener in der FACIT-Studie: eine randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie
FACIT fand Vorteile in zwei kognitiven Testbereichen unter Folsäure. Die ausgewählte Studiengruppe und der sekundäre Endpunkt begrenzen die Aussage.
Wer wurde untersucht?
Die randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie aus den Niederlanden umfasste 818 Teilnehmende im Alter von 50–70 Jahren. Beim Screening hatten sie erhöhte Plasma-Gesamthomocysteinwerte und normale Serum-Vitamin-B12-Werte. Die Ergebnisse betreffen damit eine gezielt ausgewählte Gruppe.
Wie lief die Untersuchung ab?
Verglichen wurden 800 µg Folsäure täglich mit Placebo über drei Jahre. Das beschreibt die Studienintervention und ist keine persönliche Einnahmeempfehlung.
Untersucht wurden Veränderungen in fünf Testbereichen: Gedächtnis, sensomotorische Geschwindigkeit, komplexe Geschwindigkeit, Informationsverarbeitung und Wortflüssigkeit. Die Auswertung folgte der ursprünglichen Gruppenzuteilung, dem sogenannten Intention-to-treat-Prinzip.
Die kognitive Leistung war ein sekundärer Endpunkt. Der ursprüngliche Zweck der FACIT-Studie betraf Marker der Atherosklerose.
Welche Ergebnisse wurden berichtet?
Für die Veränderung der Gedächtnisleistung über drei Jahre ergab sich zugunsten der Folsäuregruppe eine Differenz von 0,132 Z-Score-Einheiten; das Konfidenzintervall reichte von 0,032 bis 0,233. Bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit betrug die Differenz 0,087 Z-Score-Einheiten, mit einem Konfidenzintervall von 0,016 bis 0,158.
Z-Scores sind standardisierte Testwerte. Diese Unterschiede beschreiben die Entwicklung der gemessenen Testleistungen und sind keine Prozentangaben einer allgemeinen Verbesserung des Denkvermögens.
Was lässt sich daraus nicht ableiten?
Die ausgewählte Population und die Untersuchung eines sekundären Testendpunkts begrenzen die Übertragbarkeit. Das Originalabstract berichtet keine Demenzinzidenz und keine Nebenwirkungszahlen. Daraus lassen sich weder eine Demenzprävention noch eine allgemeine Sicherheit der Supplementierung ableiten. Fehlende Angaben im Abstract bedeuten nicht, dass die vollständige Publikation sämtliche Nebenwirkungen unerwähnt lässt.
Fazit
FACIT berichtet nach dreijähriger Folsäuregabe günstigere Veränderungen bei Gedächtnis und Informationsverarbeitung als unter Placebo. Die Befunde gelten für die untersuchte Gruppe mit erhöhtem Homocystein und normalen Vitamin-B12-Werten; sie begründen keine allgemeine Empfehlung zur Demenzvorbeugung.